Österreichische Portableradio Hersteller!
1946 - 1966
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Geschichte
eines Kultgegenstandes
Am
Beginn der Entwicklung des Radioapparates, in den 20er-Jahren, stand die
batteriebetriebene Empfangsanlage. Der Grund dafür war, daß die Röhren
damals ausschließlich mit Gleichstrom geheizt werden konnten. Erst später,
am Ende des Dezeniums eroberten netzbetriebene Geräte unsere Haushalte.
Damit war ein entscheidender Schritt zur Betriebskostensenkung getan,
die teuren Anodenbatterien wurden überflüssig und das unbequeme, gefährliche
Hantieren mit den säuregefüllten Heizakkumulatoren
entfiel. Das Radio war zu einer komfortablen Einrichtung mutiert.
Lediglich transportable Empfänger und solche, die an Orten ohne
Netzstromversorgung betrieben wurden, blieben weiterhin auf
die Batteriestromversorgung angewiesen! Allerdings war der Anteil
dieser Geräte relativ gering, verglichen mit der Anzahl an
Lichtnetzempfängern. Dieser Zustand währte bis in die 50er-Jahre, als
sich in Europa ein neuer Kultgegenstand durchsetzte: Wie
schon eingangs erwähnt, gab es diese Spezies schon seit der Einführung
des Rundfunks, wenn auch in relativ geringen Stückzahlen. Doch in der
Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg und verursacht durch das
sogenannte Wirtschaftswunder begann schon rasch der unglaubliche Höhenflug
der „Kofferradios“, die aber zu diesem Zeitpunkt bereits alles
Andere als Koffer waren. Diese
Entwicklung in Österreich begann am Ende der 40er-Jahre mit Geräten
der Firma Kapsch, die als erste röhrenbestückte Portableradios auf den
Markt brachte, zu deren Betrieb keine Akkus mehr notwendig waren,
sondern Trockenbatterien ausreichten. Auch die Abmessungen waren, dank
der konsequent von Ing. Sliskovic vorangetriebenen Miniaturisierung, auf
ein erträgliches Maß verringert. Diese Geräte trafen genau den
Geschmack der Käufer und schon bald sprangen mehr und mehr
Radiohersteller auf den fahrenden Zug, um eine zukunftsträchtige
Marktnische zu erobern.
Die Industrie bewarb
diese Produkte mit Plakaten, auf denen nebst hübschen Mädchen und
braungebrannten Burschen auch andere, erstrebenswerte Dinge zu sehen
waren: Motorroller, Urlaubsfreuden am Meer, etc.. So wurde durch die
Werbung der Jugend das Gefühl vermittelt, daß zum perfekten Glück
unbedingt auch ein Kofferradio gehört. Die Rechnung ging auf! Denn war
das Geld für eine Fernreise (Italien lag damals noch fern) oder für
den Ankauf eines Motorrades meist viel zu knapp, das eigene Radio war
gerade noch erschwinglich. Und damit konnte „Mann“ auch seine
Partnerin beeindrucken, wenn inmitten des Wienerwalds in trauter
Zweisamkeit Röhre und Batterie bis zur Grenze ihrer Kapazität belastet
wurden! Die Musik dazu kam meist aus Amerika. Auch
aus Amerika kam der entscheidende Anstoß zur allgemeinen Verbreitung
des Portables. Ein kleines Röhrchen mit drei Anschlußdrähten, ein
Winzling und doch ein wahrer Gigant! Der erste, gebrauchstaugliche
Halbleiterverstärker, Transistor genannt, revolutionierte bald die
Entwicklung des Radios. Leistungsstark und doch genügsam im
Stromverbrauch schuf er die idealen Voraussetzungen für den Bau von
kleineren und leichteren Geräten, die mit billigen, überall erhältlichen
Taschenlampenbatterien betrieben werden konnten! Damit war der
Durchbruch geschafft. Radiohören war nun überall möglich, vornehmlich
die Lieblingsschlager. Hatte ein „Halbstarker“, wie die Jugendlichen
damals von den Erwachsenen abfällig bezeichnet wurden, kein Radio
dabei, galt er als „out“ bei gleichaltrigen Freunden. Die
Kofferradios der späten 50er, der 60er und
70er-Jahre waren technisch bereits so ausgereift, daß eigentlich
nur noch der Industriedesigner Hand anlegen mußte, um den
Verkaufserfolg zu gewährleisten. Allgemeine Modeströmungen prägten
Jahr für Jahr das Aussehen der in immer kürzeren Abständen
erscheinenden Geräte neu. Die
österreichische Radioindustrie produzierte, trotz wachsender Konkurrenz
aus dem Ausland, vornehmlich aus Japan, große Stückzahlen und setzte
sie auch ab. Das „Aus“ in Österreich kam 1977, als die Firma Hea
als letzter heimischer Hersteller die Produktion von Portables
einstellte. Gegen Ausgang dieses Jahrhunderts kam generell für diesen,
einstmals zum Kultgegenstand hochstilisierten Gebrauchsgegenstand,
langsam das Ende. Tragbare Kassettenrecorder, welche die individuelle
Zusammenstellung eines Musikprogramms ermöglichen, sowie tragbare CD-
und MD- Player liegen
in der Gunst der Jugendlichen weit voran. Heute
ist das gute, alte Kofferradio nur noch sehr selten Quelle der Freude,
sein Hauptanwendungszweck beschränkt sich auf den Empfang von
Nachrichten und anderen Informationen. An dieser Entwicklung sind die
Programmgestalter der Rundfunksender sicher nicht ganz unschuldig! Denken
wir an den hohen Stellenwert, den solch ein Radio einst einnahm. Wenn es
vor uns steht und wir es mühsam wieder zum Leben erwecken, halten wir
ein Stück Gesellschaftsentwicklung des 20. Jahrhunderts in Händen!
Halten wir es in Ehren!
So sehe ich die Geschichte! Abschließend
ein kurzer Kostenvergleich:
Abschließend etwas ganz persönliches: Meine Sichtweise der Dinge ist folgende: Wenn ich mich an meine Jugendjahre zurückerinnere, so war es immer mein erklärtes Ziel, ein eigenes Kofferradio zu besitzen. Doch die eigene finanzielle Notsituation verhinderte den raschen Einstieg in das Unterhaltungsmedium „Rundfunk“! Als ich mir dann endlich um etliche, sauer ersparte Schillinge ein Gerät älterer Bauart gekauft hatte, musste ich feststellen, dass die dafür notwendige Anodenbatterie teurer war als der Anschaffungspreis für das Gerät. So ging die Suche nach dem finanziell erschwinglichen Kultgegenstand weiter. Daraus wurde in späteren Jahren eine richtige Sucht, ich begann Kofferradios zu sammeln. Heute
blicke ich auf eine recht umfangreiche Sammlung der Objekte meiner
Begierde, von den ersten österrreichischen Portables der späten
40er-Jahre, bis zu den „shirtpockets“ der 50er und späten
60er-Jahre, die meist aus dem fernen Osten stammen. Wie
sieht die Zukunft aus?
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